heimkino mit altem projektorDie Anfänge

Das Freizeiterlebnis Kino kann mittlerweile auf eine Geschichte von beinahe 120 Jahren zurück blicken. Mit großen Schritten vollzog sich hier eine Entwicklung von schwarz-weissen Stummfilmen mit eingeblendeten Texttafeln der Jahre 1890 bis 1925 bis hin zu farbenfrohen volldigitalen 3D-Kino-Events der Neuzeit. Aber auch das Heimkino in den eigenen vier Wänden ist keine Erfindung der letzten Jahren, sondern hat seine Wurzeln bereits in den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts.

Die Anfänge in den 1930ern

Das im Jahre 1873 in Berlin gegründete Traditionsunternehmen AGFA entwickelte sich im 20. Jahrhundert zu einem der großen Player im Markt für Filme, Fotomaterialien und fotografische Laborausrüstungen. Die Firmenbezeichnung AGFA stand dabei in früheren Zeiten für “Aktiengesellschaft für Anilinfabrikation”, heute firmiert das Unternehmen unter der Bezeichnung “Agfa-Gevaert AG” und hat seinen Unternehmenssitz mittlerweile in der belgischen Hauptstadt Brüssel. Im Bereich der professionellen Herstellung von Filmmaterial und Filmtechnik konkurrierte das Unternehmen über viele Jahrzehnte mit den Mitbewerbern aus den USA und aus Fernost, allen voran natürlich mit Kodak und Fujifilm. Die “Erfindung” des Kinos für zu Hause ist allerdings zweifelsfrei der AGFA AG zuzuschreiben, denn bereits in den 1930er Jahren gelang es den AGFA-Entwicklern Filmprojektoren so weit zu miniaturisieren, dass sie auch für den Gebrauch in kleinerem Rahmen und in überschaubaren Raumgrößen praktikabel wurden.

Heimkino in den 1930er Jahren – die Technik

Die AGFA-Schmalfilme im Format 16 Millimeter wurden dabei auf speziell dafür zugeschnittenen Kameras erstellt und konnten schließlich auf recht kompakten Schmalfilmprojektoren wiedergegeben werden. Diese Projektionen waren meist noch stumm, allerdings gab es Ende der 1930er Jahre bereits einige Geräte, die mit dem damals brandaktuellen Lichtton-Verfahren zur Klangwiedergabe arbeiteten. Der Weitertransport der Filmstreifen selbst erfolgte mit Hilfe von Greifern. Diese nahmen den Film an seiner seitlichen Perforation auf und führten ihn an zwischen Leuchtquelle und Objektiv vorbei. Der Antrieb der Greifer wurde dabei auf unterschiedliche Art und Weise realisiert, viele einfachere Projektoren waren lediglich mit einem Handkurbel-Antrieb ausgestattet, es gab allerdings auch modernere Geräte, bei denen der Filmtransport bereits mit Hilfe von Elektromotoren realisiert wurde. Leihfilme für die AGFA-Projektoren gabe es zwar noch keine, dennoch konnten die Nutzer bereits auf eine recht ansehnliche Auswahl an Kauffilmen zurück greifen.

Die Geschichte des Heimkinos ab 1960

Der Boom in den 1960ern

Trotz der frühzeitigen Entwicklung fristete das Heimkino zwischen den 30er und 60er Jahren doch eher ein bescheidenes Dasein im Schatten von Kino und Fernsehen. Vor allem in den 1950er Jahren dominierten große Kinosäle und der kometenhaften Aufstieg des Fernsehens zum neuen Leitmedium nahm seinen Anfang. In der darauf folgenden Dekade nahm sich wieder ein einzelner Hersteller, diesmal das US-amerikanische Unternehmen Kodak, ganz gezielt einem für das Heimkino praktikablen Schmalfilmformat an. Das 1892 gegründete Unternehmen setzte dabei auf das auch heute noch recht populäre Super8-Format, also auf Schmalfilme von acht Millimeter Breite.

Überraschender Erfolg – Super8-Schmalfilme im Heimkino

Bald nach der Markteinführung der Super8-Technik mit eigens dafür entwickelten Projektoren entstand innerhalb kurzer Zeit ein regelrechter Boom rund um dieses handliche Filmformat. Große Filmkonzerne, wie zum Beispiel Disney, nutzten ihre umfangreichen Filmarchive und veröffentlichten zahlreiche Filme im neuen Super8-Format. Diese konnten dann im heimischen Wohnzimmer oder im Hobbykeller vorgeführt werden und legten so endgültig den Grundstein für die Erfolgsgeschichte der Heimkino-Systeme. Erst die Markteinführung der Videokassetten und des VHS-Formates setzte diesem ersten Boom der Heimkino-Systeme ein recht abruptes Ende. Dennoch verschwand das Super8-Format nicht von der Bildfläche, denn zusätzlich zu den Projektoren gab es auch die passenden 8-Millimeter-Filmkameras, die günstig zu erwerben und kinderleicht in der Bedienung waren. Spätestens seit dem letzten Revival des Retro-Looks aus den 70er Jahren erfreute sich auch die Super8-Technik wieder neuer Beliebtheit. Unter angehenden Filmemachern war die Popularität ohnehin immer ungebrochen, denn mit Hilfe von Super8-Kameras war es möglich sehr günstig auf professionellem Filmmaterial zu drehen. Regisseure von Musik-Videos schätzen auch heute noch den ganz speziellen Look des Super8-Filmmaterials.

Der Begriff “Heimkino” wird geprägt – die 1990er

Der heute im allgemeinen Sprachgebrauch und vor allem in der Werbung weit verbreitete Begriff “Heimkino” wurde in seiner heutigen Form allerdings erst in den 1990er Jahren geprägt. Im englischen Sprachraum existierten die Bezeichnungen “home cinema” und “home theater” dagegen schon länger, auch schon vor der Markteinführung der DVD. Im deutschen Sprachraum wurde mit der Einführung der DVD wohl nach einem vergleichbar griffigen Begriff gesucht, auf diese Weise entstand wohl das neue Wort Heimkino. Diese Wortschöpfung ist im Nachhinein betrachtet allerdings nicht besonders glücklich, da sie ein wenig an heimelige Begriffe wie “Kofferradio” oder “Musiktruhe” erinnert. Auch wurde und wird der Begriff Heimkino in der Werbung leider etwas inflationär benutzt, jedes winzig kleine 5.1-Lautsprecher-System und jeder mittelgroße Fernseher mit etwas über 30 Zoll Bildschirmdiagonale mutieren so in der TV- und Print-Werbung zu “perfekten” Wiedergabegeräten. Um in ein wirklich authentisches Kino-Feeling in den eigenen vier Wänden abzutauchen, reicht eine solche bescheidenen technische Ausstattung aber natürlich nicht aus. Was aber macht ein perfektes Heimkino-Erlebnis nun aus? Neben der Technik, dem Raum, den verwendeten Möbeln spielt vor allem die richtige Einstellung und Aufstellung aller Komponenten eine oft unterschätzte Rolle.

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